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2018 – (K)ein ganz normales Jahr für die Sammlung „BAUER-Werke Klein-Auheim“

ein Beitrag von Jörg Schulisch

09.06.2018 – Ich stehe mit einer Auswahl meiner Exponate (Motorräder, Mopeds, Fahrräder) der BAUER-Werke Klein-Auheim auf dem diesjährigen Stadtteilfest in „Klanaam“, wie die Einheimischen ihr Klein-Auheim (heute ein Stadtteil von Hanau) liebevoll-zärtlich nennen.

Schon während des Aufbau meines Standes entwickeln sich erste Gespräche, haben doch viele der dort Lebenden noch sehr lebendige Erinnerungen an diesen einstmals bedeutenden Arbeitgeber des Ortes. Viele haben Produkte jahrelang genutzt, einige haben – persönlich oder in der Familie – dort gearbeitet. Es gibt viel zu berichten, auszutauschen, zu fachsimpeln ...
Plötzlich: „In meinem Elternhaus – ein paar Straßen von hier entfernt – steht im Keller noch ein altes Motorrad der BAUER-Werke. Das Haus wurde verkauft und muss jetzt leergeräumt werden. ...“ - eine Information, die jedes Sammlerherz sofort höher schlagen lässt!

Schon ein paar Tage später, am 15.06.2018 konnte ich dieses Objekt der Begierde näher in Augenschein nehmen. Tatsächlich: eine BAUER B 98, Baujahr 1939, schlummerte dort im Keller seit 1942, wie mein Gesprächspartner zu berichten wusste. Seine Tante Thekla Storcksdieck habe es drei Jahre lang gefahren, dann wurde es dort abgestellt – ein einmaliger Fund! Zu dritt bargen wir dieses Fundstück, heute steht es – noch unangetastet - in der Sammlung.

Kellerfund am 15.06.2018 – 1942 hier abgestellt! (Bild: Jörg Schulisch)

Die Papiere dazu sind leider verloren gegangen, trotzdem konnten Recherchen einiges über dieses Exemplar zu Tage fördern. Die ehemalige Eigentümerin und Fahrerin dieses „Motorfahrrades“ gehörte zur Familie der Storcksdieck‘s, ein in Klanaam wohlklingender und bekannter Name – so bekannt, dass der Geschichte der Arzt-Familie in der Ortschronik zu Klein-Auheim mit dem Titel „Die Einwohner daselben arbeiten sehr fleißig...“ (verfasst von Erhard Bus und herausgegeben vom Magistrat der Stadt Hanau 2005) im Kapitel „Zeitzeugen“ ein eigener Abschnitt gewidmet ist (S. 466 ff). Und hier finden sich sogar Bilder der ehemaligen Eigentümerin – welch ein Glücksfall!



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Abbildung Thekla Storcksdieck mit ihrer Klasse (mit freundlicher Genehmigung des HGV Klein- Auheim)

Abgemeldet wurde die B 98 offiziell wohl nicht, dass Nummernschild prangt noch mit allen Stempeln hinten am Kotflügel – und wirft ebenfalls eine Frage auf: Wofür stand denn das „VH“, mit dem dieses KFZ-Kennzeichen beginnt? Auch hierzu konnte eine Antwort u.a. im gesammelten Wissen der Menschheit, im Internet zu Tage gefördert werden.
Damals gehörte Klein-Auheim – zugehörig dem Kreis Offenbach – zur Provinz „Starkenburg“ des „Volksstaates Hessen“ – und eben so begann das Kennzeichen: „VH“. Gleichzeitig erhellte sich damit auch, aus welchem Grund die BAUER-Werke in der Anfangszeit ihrer Fahrradproduktion (20/30er Jahre) –auch- Fahrräder mit der Markenbezeichnung „Starkenburg“ produzierten – eben ein „starker“ Name, der an die Verbundenheit der Einwohnerschaft appellierte und den Kaufwillen stärken sollte.
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Nie entstempelt – und wofür steht „VH“? (Bild: Jörg Schulisch)

Doch zurück in die Jetzt-Zeit: Aus welchem Grund nur wurde mir dies – und auch eine Reihe weiterer bisher „versteckter“ Objekte der BAUER-Werke – angetragen? Zeitsprung: Vor fast 10 Jahren sprang mich „BAUER“ als mir unbekannter Hersteller eines Fahrrades an, das ich im Rahmen einer Garagenräumung in Hanau erhalten hatte. Fahrräder waren aber damals nicht mein Ding, nur: Ein paar Wochen danach rief mich der Eigentümer eben dieser Garage an und berichtete, dass die BAUER-Werke eben nicht nur Fahrräder, sondern auch Motorräder und Mopeds produziert hätten ...
Und daraus entstand zunächst ein kleines Interesse, dass eine oder andere Informationsschnipselchen im Rahmen beginnender Recherchen und eben das eine und andere Motorrad und Moped, dass aufzutun war – (m)eine Sammelleidenschaft war entfacht und wuchs!

Heute nun blicke ich auf die Weltweit größte BAUER-Sammlung – schrieb mir doch das Rekordinstitut für Deutschland (kurz: RiD) mit Sitz in Hamburg am 26.10.2018 mit einer Mail zu meiner Bewerbung:
„Mit Ihrer Gesamtzahl möchten wir den Weltrekord für die »größte Sammlung von markenspezifischen Objekten«
anerkennen,...“ - für mich das I-Tüpfelchen unter ein Jahr, in dem so viel passiert ist!
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Bilder meiner Person - in der Sammlung – mit der WR-Urkunde ...

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Bilder meiner Person - in der Sammlung – mit der WR-Urkunde ...

Im Frühjahr 2018 trat die Stadt Hanau an mich heran mit der Frage, ob ich mir vorstellen könne,diese meine BAUER-Sammlung zu verkaufen. Der dahinter liegende Plan lautete, in Klein-Auheim ;einen neuen Museums-Komplex zu errichten, hierin insbesondere die BAUER-Werke zu dokumentieren und so im kollektiven Gedächtnis zu behalten. Damit ging schon ein Traum für michin Erfüllung, bewegte mich doch schon länger der Gedanke, was aus dieser Sammlung einst werden soll, wenn ich nicht mehr bin! Nun, diese Frage ist geklärt – sie wird in diesem offiziellen Museum aufgehen, damit „the next level“ erreichen und mich überdauern.
Das Projekt „Museum Klein-Auheim“ läuft, die Bauarbeiten sind in vollem Gange, die gestalterischen Planungen laufen parallel und die Eröffnung ist für das Frühjahr 2019 geplant.
Über dieses Vorhaben wurde – und wird immer noch - vielfach und breitbandig in der Presse berichtet, die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wuchs. So rückten manch lange verborgene „Schätze“ bei dem Einen und der Anderen wieder ins Bewusstsein und wurden uns für das Projekt angeboten – so eben auch die eingangs beschriebene B 98 von 1939, die hier stellvertretend für etliche solcher „Wieder-Entdeckungen“ steht – Sammlerherz, was willst Du mehr!
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Und hier wird die BAUER-Sammlung auf fast 400 Quadratmetern 2019 einziehen – natürlich erst nach Abschluss der Bauarbeiten! Wo wird dann wohl der „Kellerfund aus Klanaam“ residieren? (Bild: Uwe Hoppesack)

Wie geht es weiter? Nun, die B 98 wird im kommenden Jahr behutsam wieder ins Leben zurück geführt, also – ohne wesentliche Eingriffe in die historische Substanz – wieder fahrbereit gemacht, wird aber sicher auch im Rahmen der Dauer-Ausstellung im neuen „Museum Klein-Auheim“ aufgrund der engen Verknüpfung mit der Familien- und Industriegeschichte des Ortes heraus gehoben präsentiert werden. Darauf – und auf all die anderen Dinge in diesem neuen Rahmen – freue ich mich schon heute. Und wer weiß? – vielleicht trifft man sich ja anlässlich der Eröffnung im Frühjahr 2018 – in Klanaam!

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