Pioneer Run 2017
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Jugendarbeit des (OCI) Oldtimer Club Ingelfingen e.V. im VFV
21. April 2017

Frühlingsfahrt Veteranenfahrt Norddeutschland am 08. April

Ein Beitrag von Uwe Karstens

Als mein Kumpel Ralf aus Stade seine Zündapp DB 200 von 1950 und ich meine New Imperial Model 5 von 1924 auf dem Trailer verladen hatten, sagte ich zu Ralf:"So, das war die Frühlingsfahrt 2017. Die ist nun Geschichte!"
Es war, wenn ich die Becher, bzw. die Einträge im Rallyesportabzeichenheft des VFV, in dem ich seit 2012 Mitglied bin, zähle meine 7. Teilnahme. Wie lange gibt es die eigentlich schon?
Vom Wetter her hatten wir diesmal wieder Glück. Trocken wars`, Temperatur um die 13 Grad und sogar etwas Sonne. Das hatten wir auch schon anders. Minestens zweimal konnte ich die Dichtheit meiner Stiefel testen. Es lief kein Wasser heraus, nur über!

Aber der Reihe nach!

Der Imp, wie die New Imperials in England auch genannt werden, der Schelm, der Kobold, das Teufelchen, alles paßt irgendwie, irgendwann, war in den tagen zuvor gewartet und geputzt worden. Mesit fahren wir zwar auf Achse zum Frühlingsauftakt, aber diesmal entschied ich mich des Alters der Maschine zu Ehren für den Trailer.

Irgendwann hatte Ralf mich angerufen und gesagt:: "Ich habe mich zur Frühlingsfahrt angemeldet! Du auch?"
"Muß ich noch, geht aber los. Ich kann dir `nen Platz auf`m Trailer anbieten. Kannst bei mir pennen oder ich hole dich an der Elbfähre um 8.00 Uhr ab."
Letzteres war denn der Fall. Pünktlich um 8.00 Uhr leistete die DB dem Imp auf dem Trailer Gesellschaft. Die beiden vertrugen sich gut und wir suchten nach Wegen durch die zahlreichen baustellenbedingten Umleitungen. Unter Nichteinhaltung dieser fanden wir denn unseren Weg zur Hirtendeel nach Schmalfeld, Heinz`Wohnort.. Es war 9.00 Uhr und nach dem Abladen, dem Abholen der Fahrtpapiere stärkten wir uns erstmal mit Kaffee, Brötchen Ham and eggs.

Heinz Franz, der älteste Teilnehmer, heute auf Nimbus, kam an den Tisch: "Ich habe dir was mitgebracht! Wollte ich ja schon seit Längerem. Ist noch von Emil Grahn." Ich kenne Emil noch. Er ist schon lange nicht mehr mit uns. Er fuhr Sand- und Grasbahngespannrennen. "Das rizinushaltige Öl ist bestimmt schon 40 Jahre alt. Du fährst doch sowas!"
Ja, sowas fahre ich seit mein Model 5 läuft. Schon damals stand auf den Tankdeckeln dieses Modells "Use Castrol R only". Ich erinnere mich noch an den Graham Walker Run 2012 im New Forest in England, als die ganze Zeit vor mir der Spares Officer des Norton Owners Club mit diesem Öl fuhr. Es macht süchtig. Ich brauchte nur dem Geruch zu folgen! Ich verlor ihn, nachdem sich seine Regenhose vom Gepäckträger löste und ich anhielt, um sie aufzusammeln. Mit der schnellen Norton war er meiner 350er sv New Imperial , mein anderer Imp, entflohen, aber der Geruch...!
Dann ging es los. Heinz begrüßte, wenn ich es richtig zusammenbringe neben den Teilnehmern besonders Monika Henning, die MSC Kaltenkirchen- Vorsitzende, mit Hannes Götze den 2. Vorsitzenden des VFV, den Bibliothekar oder wie es in England heißt, den Librarian der New Imperial Owners Association, meine Wenigkeit und Britta Mirbach von Media Direkt. Der Bürgermeister sprach ein paar kurze Sätze und dann startete Monika mit dem ADAC- Käfer als Nr. 1, die auch nicht überholt werden sollte. Alles was Rang und Namen auf 2, 3 und 4 Rädern hatte startete in kleinen Gruppen oder einzeln in Minutenabständen. Dabei waren allein 3 Brough Superior Motorräder, heute kaum zu bezahlen, aber auch damals nur von betuchten Fahrern zu erwerben. Zündapp, NSU, BMW, Victoria, Honda, DKW, Nimbus, Württembergia, Tornax Hercules, Ardie, Puch und Indian bei den Motorrädern und VW, Fiat, Packard, Barkas Framo, Ford, Fiat- Simca, Amilcar, Rally, Tornax und Jawa starteten auf 4 Rädern.

Ziel war das Motorenmuseum in Lütjensee, aber unsere Gruppe mit Maschinen landete schon vorzeitig auf Schloß Tremsbüttel, das einmal ein Auto- und Motorradmuseum beherbergte. "Ob wir hier wohl richtig sind?" kam die Frage. "Wir sollen doch zuerst zum Museum!" Ander Teilnehmer fuhren auch über den Parkplatz hinein in den Schloßpark. WIr fuhren zurück an die Straße und bogen "links" ab. Später dann erreichten wir dann das Museum. Einige waren schon da. Wir hatten mit Daniel, einem jungen Maschinenbaustudenten einen kompetenten Führer, der die verschiedensten Motore für uns startete.

Den Anfang machte ein 3 Zylinder Schiffsmotor von einem versenkten Minensuchboot, der über Preßluft gestartet wird und mit niedrigsten Drehzahlen seine Zuschauer beeindruckte. Das Schiff wurde später gehoben, der Motor instandgesetzt und als Antrieb für einen Generator erzeugte das Duo dann lange Zeit Strom. Weitere Maschinen wurden gestartet und dann kam mein persönliches Highlight, der Jastram- Motor! Dies ist ein Flugmotor des Hamburger Ingenieurs Carl Jastram. Der Motor war "kopfüber" mit freiliegender Kurbelwelle und dadurch direkten Blick auf die auf- und niedergehenden Kolben, bzw. die rotierende Kurbelwelle. Weitere technisch Finessen waren die hohlgebohrten zylindrischen Pleuel, die ihre Ölfüllung bei einer bestimmten Kolbenstellung an die Zylinderlaufbuchsen abgaben. Zu erwähnen ist auch das das Einlaßventil im Auslaßventil eingebaut ist. Kühlung ein Aspekt aber auch Materialersparnis, denn es wird nur ein Kipphebel pro Zylinder benötigt.

Der 1908 gebaute 6- Zylinder hatte das Ölreservoir der Pleuel nach eineinhalb Stunden verbraucht und mußte gezwungenermaßen zuruck zu Mutter Erde. Ein Foto an der Wand zeigte dasFlugzeug aus dem Jahre 1912, sowie die Unterschrift von Carl Jastram. 1500 U/ min eichten damals um das Flugzeug abheben zu lassen..

Leider ist das Flugzeug selbst nicht mehr existent. Aber es gibt noch den Originalpropeller im Museum zu sehen. Dieser ist aber wegen des zu erwartenden Sturms im Museum gegen eine Schwungscheibe getauscht worden.

"Einige haben großen Hunger und sind schon nach Tremsbüttel aufgebrochen. Aber ihr könnt`noch eine halbe Stunde bleiben.", sagte Heinz zu uns, woraufhin wir noch eine persönliche Führung vom Chef selbst durch das kleine Museum, das wie eine gute Stube wirkt, bekamen. Eine Dampfmaschinensammlung, die ein Ingenieur in 40 Jahren Kleinarbeit erschaffen hat ist dort genauso zu bestaunen, wie ein uralter Quecksilberdampfgleichrichter.

Zeit aufzubrechen! Die letzten starteten nun nach Tremsbüttel. Den ersten Richtungspfeil fanden wir noch aber dann fuhren wir kilometerweit suchend nach weiteren durch die Botanik. "Zurück auf die B404!", sagte ein im Garten arbeitender Mann.
Richtung Lasbek war dann, bevor die Bundesstraße in die Autobahn übergeht, die letzte Chance der Autobahn zu entkommen. Allerdings wäre es auch möglich gewesen diese bis zur nächsten Abfahrt, Tremsbüttel, zu nutzen.

Wir fanden dann auch gleich wieder einen Richtungspfeil, dann einmal links abbiegen am Gut vorbei und schon waren wir am Schloß, wo es leckeres Chili con Carne gab. Ja, so ist das eben wenn man sich zu sehr auf Pfeile , Kreise und Quadrate verläßt. Der Einfachheit halber hatten die Auspfeiler geade den entscheidenden Abbieger auf ein Wahlplakat getackert.. Den mußte man erstmal sehen!

Dann ging es ohne Zwischenfälle zurück zur Hirtendeel in Schmalfeld, wo wir uns dann zur von Heinz angekündigten Tortenschlacht versammelten. Eine kleine Siegerehrung gab es auch noch. Christof Melzer war der jüngste Teilnehmer. Sonst immer mit Opa Gerd unterwegs, fuhr er erstmals auf seiner eigenen Maschine, einer 125cc Honda von 1978 und bekam einen schicken Pokal. Schönes Maschinchen Christof Überrede ein paar Kumpels von dir. Wir brauchen Euch! Heinz Franz bekam den Pokal für den ältesten Teilnehmer, gestiftet jeweils vom VFV.
Ich bekam einen Liter 50er Einbereichsöl von einem namhaften amerikanischen Motorradhersteller, der aber allerdings im seitengesteuerten Imp verbrannt werden wird für das älteste Motorrad.
Aufgeladen hatten wir schon gleich nach der Ankunft und somit setzten wir den letzten Teil des Trips im Auto auf dem Weg zur Elbefähre Glückstadt, die Ralf nach Wischhafen in Niedersachsen bringt über eine bessere, umleitungs- und ampelfreie Strecke fort.
Danke Heinz, Danke deinem Team! Wir freuen uns auf 2018!