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Pioneer Run 2017

ein Bereicht von Oliver Großklaus

Hintergrund:

Jetzt ist es so weit. Ich habs ja gewusst und wahrscheinlich auch so gewollt.
Im vergangenen Winter, beim all monatlichen Zusammenhocken in Hamburg entstand die Idee von meinen tollen Freunden Heinz Kindler und Martin Schenker das ich im kommenden März zum Pioneer Run nach England mit komme, super Idee. Wieder zu Hause hab ich meiner lieben Frau, was die Cathrin ist, gleich darüber berichtet welch kühnen Plan wir heute geschmiedet haben. Und was soll ich sagen, sie hat noch nicht mal versucht, mich davon abzuhalten. So selber Schuld kann ich da nur sagen denn wer noch niemals an einer Oldtimerveranstalltung in England teilgenommen hat, weiß nicht was er verpasst. Ich für meinen Teil kann nur sagen dass es die Erste aber nicht die Letzte war bzw. ist, um es mal so auszudrücken „schön angefixt“ danke.
An dieser Stelle halte ich es für wichtig, kurz mal über mich zu berichten, mein Name ist Oliver Großklaus und ich lege gesteigerten Wert darauf, das ich der Benjamin in unserer Reisegruppe war, die im übrigen durch Klaus Barke komplettiert wurde. Wichtig ist, das ich bis jetzt eigentlich die Fraktion der etwas modernen Motorräder, Cafe Racer der Sechziger und Siebziger (besonders böse Zungen reden da andauernd von Wuthockern) vertreten habe und so langsam mich darum bemühe, in der Vorkriegsszene Fuß zu fassen. Jetzt erscheint mir sogar das für „viel zu Modern“, schönen Dank auch.
Meine Frau, habe schon gesagt das ich sie ganz doll lieb habe, erträgt seit unsere Rückkehr ganz tapfer meine wirren Hirngespinste was unsere zweirädrige Zukunft betrifft.

Jetzt aber zur Veranstaltung selbst. Es handelt sich um eine Zielfahrt, die vor 78 Jahren das erste Mal ausgetragen wurde. Inhalt der Zielfahrt war und ist bis heute die Strecke von London, Tattenham Corner an der Pferde Rennbahn Epsom Downs über Landstraßen nach Brighton mit Ziel Madeira Drive direkt an der Strandpromenade so zügig wie es eben im „Rahmen der Straßenverkehrsordnung“ geht zu absolvieren.
Für diejenigen denen dieser Ort nichts sagt kennen aber wahrscheinlich einige den Film Quadrophenie aus dem Jahre 1979 in dem es um die Rivalitäten zwischen Rockern, Coole Typen die mit “Cafe Racern“ rumfahren und Mods die mit Rollern in der Gegend rumdümpeln. Dieser Film spielt überwiegend am Madeira Drive in Brighton wo sich für den Pioneer Run die Ziellinie befindet, man wie aufregend ist das denn.

Nu aber mal der Reihe nach. Als wir am Sonntag den Startpunkt erreichten und uns ins Starterfeld einreihten kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Man kann sich kaum vorstellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat wie 310 gemeldete Teilnehmerfahrzeuge Zwei.- und Dreirädrig, die ältesten Fahrzeuge aus dem Baujahr 1896 mit den entsprechenden Teilnehmern wirken, echt eindrucksvoll. Allein die Chance zu haben so viele Fahrzeuge aus der Zeit bis 1914 auf einen Haufen und auch noch in Aktion zu sehen kann man nur als einzigartiges Erlebnis beschreiben.
Ebenfalls toll anzusehen sind so einige der Teilnehmer die natürlich auch mit der Bekleidung aus jener Zeit antreten so mit Tweetsacko, Knickerboker („sitzt die Sch…. Noch so locker nix geht über Knickerboker), Wachjacken, Wachhosen und so antreten. Wie Uncool man sich auf einmal mit seinen Rockerklamotten fühlen kann. Apropos die Teilnehmer der Jüngste mit 19 Jahren, spiegelt so den Nachwuchs da und der älteste mit 91 dürfte schon als erfahrener Teilnehmer gelten.

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Die ungewöhnlichen Fahrzeuge wie Forecar, hierbei handelt es sich um Fahrzeuge bei denen der Fahrer wie auf einem Motorrad sitzt und vor ihm in einem augenscheinlich sehr Bequem wirkend meist mit Leder ausgeschlagenem „Clubsessel“ die Passagiere sitzen. Weiter über die Tricycle´s, dies sind eigentlich Fahrräder die durch einen Motor zwei angetriebene Hinterräder haben, ein absolut außergewöhnliches Bild und kaum vorstellbar in der heutigen Zeit. Weiter geht’s mit Fahrrädern die mittels einem seitlich angebrachten motorangetriebenen Rad, dem so genannten Autowheel, nicht schnell aber effektiv das gemeinsame Ziel erreichen, denn auch mit derart geringer Leistung kommt man ans Ziel. Dann sind da noch einige Gespanne, man beachte bitte die Startnummer 121 die mit Sportlicher Eleganz und penibel gewarteter Technik die Strecke fast dominierte und trotz Teepause (wir sind ja in England) mit weniger als drei Stunden Fahrzeit am Ziel eintrafen und über den Kaffeestand vom Auktionshaus Bonhams herfielen. Begleitet wurden wir von gefühlt Unzähligen Solo Motorrädern der Unterschiedlichsten, zum Teil seltensten Herstellern im restaurierten, unrestaurierten und schön patinierten Originalzuständen. Diese Klangkulisse und die Gerüche der alten Technik mal nicht im Museum beim Stehen zu sehen zu müssen ergibt ein Erlebnis was man kaum in Worte fassen kann, an dieser Stelle nochmal vielen Dank.

Nicht vergessen möchte ich die Eindrücke der Landschaft, der kleinen Dörfer, die immer freundlich winkenden und anfeuernden Engländer die zum Teil am Rand der Landstraßen mit ihren Autos standen und Teetrinkenderweise unseren Weg schmückten. Das hört sich bös kitschig an, war aber genau so. Die Landschaft die durch typische, liebevoll gepflegte englische Landhäuser und nahezu perfekt gepflegten Gärten unterbrochen wird ist bei sonnigem Wetter einfach atemberaubend. Glaube ich zumindest, denn mit dem Wetter hatten wir insoweit Glück, das es nicht geregnet hat. Am Start war es auch nicht besonders kalt, zumindest hatte ich den Eindruck und ich bin da eher so‘n Warmduscher. Zum Ende der Zielfahrt zur Küste hin wurde es dann doch etwas ungemütlicher aber mit dem Ziel vor Augen, einer „Triumphalen Zieldurchfahrt“ und heißem Kaffee im Blick war auch das eher ein Genuss.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei allen Beteiligten wie auch den Engländern die sich wahrscheinlich vom Schock meiner Anwesenheit wieder beruhigt haben bedanken und freue mich auf den nächsten den „79th Pioneer Run“

See you next Time at 2018