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Brudes, Nürnberg, auf Victoria Kompr. am Start des ADAC Rekords bei Freiburg am 31.07.1926, 165 km/h (Deutscher Rekord)

Die Kompressor-Victoria 1925

Ein Bericht von M.H. Meier aus dem Jahr 1979

Der Beitrag stammt aus VFV Info Ausgabe Nr. 5 aus dem Jahr 1979

Wenigen wird bekannt sein, dass bereits vor der berühmten Weltrekord-Serie von BMW von 1929 bis 1937 in Deutschland mit einem Kompressor-Boxer-Motor Rekorde aufgestellt wurden. Doch bevor wir uns mit der eigentlichen Rekord-Maschine befassen, sollte man kurz die Vorgeschichte des dabei verwendeten Motors streifen.
Als die Nürnberger Motorrad-Fabrik Victoria 1920 ihr Nachkriegsmotorrad-Programm vorstellte, verwendete man als Einbau-Motor den damals neu herausgekommenen „Bayern-Motor“. Dieser Bayern-Motor stammte von BMW, wurde dort auch in Serie gebaut und an verschiedene Motorradfirmen zum Einbau geliefert, so auch an Helios, SMW, Heller, Bison, BZ, Scheid-Henninger und KR. Als Dr. Max Fritz 1922 die neue BMW R 32 mit querliegendem Boxer-Motor konstruiert hatte und man 1923 mit der Serienfertigung eigener Motorräder begann, wurden keine Einbaumotoren mehr an fremde Firmen geliefert.

Um das bisherige Motorradkonzept nicht verlassen zu müssen, griff nun Victoria auf eine Konstruktion des früheren BMW-Konstrukteurs Martin Stolle zurück. Dieser sehr interessante oben gesteuerte Boxer-Motor wurde bei der Firma W. Sedlbauer in München für Victoria hergestellt; er war nun die Basis für das Victoria-Kompressor-Rekord-Motorrad.

Ihr Debüt gab diese Maschine gelegentlich des Kilometer-Rekordes 1925 bei Freiburg, und es wurden damals 146 km/h Durchschnitt für den fliegenden Kilometer erzielt. Im Jahr 1925 war das Kompressor-Motorrad dann kaum mehr in der Öffentlichkeit zu sehen, lediglich im Herbst-Avus Rennen 1925 konnte man die hohen Geschwindigkeiten dieser Maschine bestaunen.
Dann blieb es wieder längere Zeit recht ruhig. Erst im Herbst 1296 erschien die Maschine mit dem bekannten Fahrer Brudes anlässlich des alljährlich stattfindenden Kilometer-Rekordrennens bei Freiburg (die Freiburger Motorsporttrage waren in dieser Zeit eines der wichtigsten Motorsport-Ereignisse Deutschlands). Hier wurde dann auf Anhieb in der 500ccm-Klasse der Kilometer mit fliegendem Start mit einer Stundengeschwindigkeit von 165 km gefahren.

Dies bedeutete die Verbesserung einer bestehenden Welthöchstleistung – erstmals mit einem deutschen Motorrad! Die Zeitschrift „Motorradsport – Verkehr u. Technik“ berichtete in ihrer Ausgabe August 1926 über dieses Ereignis:

 

Geradezu fabelhafte Geschwindigkeits-Steigerungen brachte die 500er Kategorie.
Glänzend konnte die Victoria-Kompressormaschine abschneiden, die in 3 Modellen startete. Brudes, der alte Routinier, fuhr ungeachtet der für Solo-Motorräder reichlich welligen und für solches Tempo leider noch sehr mangelhaften Straße wurde leider der noch schneller gewesene Richter auf Victoria Kompressor, der beim 2. Lauf trotz Gaswegnehmens beinahe aus der Bahn getragen wurde.
Franconi auf Motosacoche kam somit auf den 2. Platz mit 151 km/h, Drittschnellster wurde Stelzer auf der normalen Sport-BMW mit 148,5, Alt dagegen konnte mit 146 km/h seine schnellste Zeit sämtlicher Solo-Maschinen, die er im Vorjahr erzielte, nicht erreichen.

Motorradsport – Verkehr u. Technik

 

Diese Tatsache erregte seinerzeit großes Aufsehen, leider wurde der Rekord dann nur als deutscher Rekord anerkannt.

Weitere Rekordversuche unterblieben in der folgenden Zeit leider ganz, da sich die Probleme mit dem längsgestellten Boxer-Motor in puncto Kühlung des hinteren Zylinders als doch zu groß erwiesen. Bei dem verwendeten Kompressor handelte es sich um ein Rotationsgebläse. Das über dem vorderen Zylinder gelagert und durch einen gekapselten Zahnradtrieb mit dem Motor gekoppelt war. Vor dem Kompressor war ein Amac-Vergaser angeordnet.

Da der Kompressor-Motor eminent viel Brennstoff verbrauchte und durch den geringen Druck des Fallbenzins die Versorgung unzureichend war, hat man zu einem ganz einfachen Trick gegriffen. Auf die Tankverschraubung wurde ein kleines Röhrchen mit gegen die Fahrtrichtung gestelltem Mundstück gesetzt, so dass der Fahrtwind einen geringen Überdruck im Brennstofftank erzeugte. Dies genügte, den Brennstoffnachfluss so zu beschleunigen, dass trotz des hohen Verbrauchs das Schwimmergehäuse nicht leerlief.
Bei den ersten Versuchen war nämlich nach 500 Metern forcierter Fahrt das Schwimmergehäuse leergelaufen.

Von weiteren Verbesserungen hörte man dann leider nichts mehr, das Motorrad verschwand irgendwo in der Versenkung. Der Boxer-Motor wurde bei Victoria in verbesserter Form bis 1938 in Touren-Maschinen eingebaut.