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Traveler DC 120

Bei Köln und Trecker oder Zugmaschinen  denkt man automatisch an Deutz. Der Erfinder des Viertakt  Motors, die DEUTZ AG verdiente aber hauptsächlich mit Diesel Motoren sein Geld. Und das über Jahrzehnte lang. Schwere Schiffsdiesel, U-Boot Motore  aber vor allem Landmaschinen und Standmotoren gehörten in den guten Zeiten zum Portofolio der Köln Deutzer Motorenbauer.

Kaum eine Landwirtschaft, die nicht einen MAH Verdampfer  nutzte.Der  Kölner Ludwig Betz hatte seine Deutz Vertretung  1938 in Dünnwald, einem ländlichem Vorort des Rechtsrheinischen Kölns, gegründet.  

 Aus dem Kriege heimgekehrt , übernahm er nach der Währungsreform auch noch die Vertretung der Frankfurter Taunus Schlepper. Diese nur etwa ein Jahr existierende Firma verwendete auch Deutz Motoren , konnte sich aber in diesen schweren Zeiten nicht auf dem Markt halten und so entschloss sich Ludwig und sein Sohn Otto Betz zur Aufnahme einer eigenen Traktoren Produktion, die dem Taunus Schlepper nahezu eins zu eins nachempfunden wurden. Ab 1949 wurden dann Straßenschlepper mit geschlossenem Führerhaus in Produktion genommen.

„Der Betz Schlepper soll Ihnen die teure Pferde- und Lastkraftwagenhaltung ersetzen , während er darüber hinaus eine erhebliche Leistungssteigerung für den Transport bedeutet.“

So hieß es im Werbeblatt für den 54 PS Vierzylinder Straßenschlepper, und :

 „Betz Straßenschlepper beleben in letzter Zeit überall mehr und mehr das Straßenbild der Städte.“

 „Naja, es werden wohl zwischen 200 und 300 Stück insgesamt hergestellt worden sein“, so Betz Besitzer und – Archivar Manfred Sistig, aus Dünnwald, dessen Leidenschaft eigentlich Schwingen-Motorräder mit dem Weißblauen Emblem sind. Und das schon seit vielen Jahren.

 „Meinen 2 Zylinder Betz besitze ich aber schon, seit ich zwanzig Jahre alt war. Es ist großartig , ein seltenes Fahrzeug zu besitzen , das in meiner Nachbarschaft gebaut wurde, als ich noch klein war. Und das längst vergessen ist.”

betz2

 Ein Betz war ein durch und durch Kölsches Fahrzeug. Die ersten Schlepper bekamen Ihr Führerhaus von der alt Ehrwürdigen Kölner Karosserie Firma Peter Hall geschneidert, der Motor kam von Deutz und die Achsen und das Getriebe kamen von Ford. Sie hatten sich schon im Kriege in zahlreichen BB Lkws bewährt und standen reichlich zur Verfügung.

 

Es gab sogar Schaltachsen mit langen und kurzen Übersetzungen.

 Der Fahrgestellbau  und die Montage erfolgten in der Köln Dünnwalder „ Betz Fabrik“ In der Ludwig und Otto Betz mit zwei Mitarbeitern eine Zugmaschine pro Monat „raushauten“. Böse Zungen behaupteten, das das Betzsche Büro meistens in der nachbarlichen Stammkneipe beheimatet war. Hier wurden Verträge unterzeichnet und deren Abschlüsse gefeiert. Diese „ Wirtschaftswunder Arbeitsweise“ sorgte auch dafür, das die Firma Betz nach nur ein paar Jahren die Tore schloss. Allerdings gab es Großkunden wie Dr.Oetker, Kaisers Kaffee und die Firma Schenker , deren „Züge“ von einem BETZ angetrieben wurden..

 Auch entstanden in der Endphase einige zwei bis drei Sechszylinder mit Magirus Führerhaus.   „Betze“ mit 2,3 oder Vierzylinder Deutz Diesel nur noch sieben. Vier davon in Kölner Sammlerhänden. Vom Betz Trecker hat nur einer überlebt. Seltene Zeitzeugen aus kargen entbehrungsreichen Zeiten. Und ein garantierter Hingucker auf Schleppertreffen und Nutzfahrzeugtreffen.

Horst Nordmann